Was bitte ist Contemporary Dance?

Contemporary Dance
Contemporary

Seit einigen Monaten entwickelt sich in der Tanzstelle unter dem etwas unklaren Begriff Contemporary Dance ein neuer Trend, der im Vergleich zu anderen geradezu stürmisch voraneilt. Anfangs skeptisch müssen nun auch die Entscheidungsträger der Tanzstelle zur Kenntnis nehmen, dass offensichtlich hier ein enormer Bedarf besteht. Interessant ist aber auch, dass nicht nur aus den Reihen der Fortgeschrittenen, sondern auch aus jenen der Tanzbeginner die Teilnehmer an den Contemporary Stunden der Tanzstelle kommen. Was aber ist Contemporary Dance eigentlich? Was nicht einfach zu klären ist, erhellt möglicherweise ein Blick auf historische Gegebenheiten ein wenig!

 

So war das 19. Jahrhundert die Zeit der Nationalmuseen und einer dazugehörigen nationalen Kunstgeschichte. Der damals allgegenwärtige Geschichtsbegriff führte auch zur Erfindung der Disziplin Kunstgeschichte. Im darauf folgenden 20. Jahrhundert nahm eine internationale Avantgarde gegen die alten Nationalismen Stellung und eignete sich gleichzeitig die angeblich primitive Kunst der anderen als Anregung an. Dahinter stand eine Moderne, die den ihr eigenen Kunstbegriff für universal erklärte. Nun aber, im 21. Jahrhundert, entsteht weltweit eine Kunst mit dem Anspruch auf globale Zeitgenossenschaft ohne Grenzen und ohne Geschichte. Diese Kunst aber ist nicht mehr synonym mit moderner Kunst, die sich wiederum in einen Gegensatz zur Moderne setzt, und so ist es kein Zufall, dass sowohl in der Benennung von Museen als auch in den Katalogen der Auktionshäuser der Begriff »modern« durch »zeitgenössisch« abgelöst wird. Das Museum of Contemporary Art hat die Ära des Museum of Modern Art beendet.

 

Gegenwartskunst ist also anders, als es »moderne Kunst« war. Aber worin anders? Die weltweiten Biennalen haben durch Kuratoren, die in den neunziger Jahren als internationale Agenten hervorgetreten sind, die Wende zur globalen Ära vollzogen. Die Biennalen präsentieren das Paket aus internationaler und regionaler Gegenwartskunst an jeweils neuen Standorten für ein kosmopolitisches Reisepublikum. Das ist die Ursituation der Globalisierung geworden. Das neue Berufsbild des Kurators, der »Projekte« verwirklicht, statt Werke auszustellen, ist Gegenstand der Ausbildung in den »Curatorial Studies«, die keinen Rückhalt mehr in einer Kunstgeschichte westlicher Observanz haben, sondern in der Kunst kulturelle und politische Fragen in den Vordergrund stellen.

 

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